Episteme

                       

Noch vor dem 2. Weltkrieg formulierte Husserl anhand seiner Phänomenologie grundsätzliche Fragen an den europäischen Wissenschaftsbetrieb. Die Kritk Husserls an einer einseitigen Ausrichtung der Erkenntnistätigkeit der Wissenschaft sehe ich für die Bildtheorie im Zusammenhang mit künstlerischen Protest-Bewegungen wie dem Surrealismus und Dadaismus. Die Methode der Phänomenologie zeigt, was im "status nascendi" geschieht. Es handelt sich für die Kunstbetrachtung um eine Rückführung des Bewusstseins auf die Genese, auf ein Nachleben der Bilder, welches psychische Energien oder Symptome umfasst. Dieser dynamische Vorgang der Bildentstehung kann durch Wahrnehmungsübungen konkret und jeweils aktuell als Wirklichkeitsbildung vollzogen werden. Die unmitlelbare Evidenz einer intuitiven Wesenserkenntnis unterscheidet sich von reduktionistischen Wissenstheorien.

Durch Kunsterkenntnis lassen sich im Dialog empathische Fähigkeiten als Bildkompetenz schulen. Innerhalb der ästhetischen Erfahrung kann jeweils situativ an bestimmten Kunstwerken das sich ereignende Wirklichkeitsgeschehen bewusst gemacht werden. Die Bewusstseinstheorie bildet die Grundlage der Bildtheorie. Husserl thematisiert nicht in erster Linie Kunstwerke, sondern versucht die Bewusstseinsstrukturen zu klären, welche Wahrnehmungen und Begriffsbildungen zu Grunde liegen. Bewusstseinsvorgänge im Wahrnehmungsprozess orientieren sich in philosophischen Diskursen der Bildtheorie häufig an der Philosophie von Husserl. Diese Rezeption in der Bildtheorie wird dabei kritisch erweitert und unterschiedlich akzentuiert.

(Grundsätzlich Emmanuel Alloa 2011, „Das Durchscheinende Bild“. Gottfried Böhm „Wie Bilder Sinn erzeugen“, 2007, Lambert Wiesing 1997, Die reine Sichtbarkeit des Bildes“ sowie „Phänomene im Bild“, 2007, Sabine Wettig 2009, “Imagination und Erkenntnis“ oder Waldenfels 2010, Sinne und Künste im Wechselspiel). Die spezifischen Untersuchungen, die Husserl zur Bildtheorie entwickelt hat, sind in seiner transzdentalen Ästhetik angedeutet, die nicht mit der von Kant verwechselt werden darf. (Gander, Lexikon zur Phänomenologie 2010 S.35)